L’Essencier: Kräuterkraft aus Gletschermoränen

Die Bergregion des Wallis umfasst nicht nur Wahrzeichen wie das Matterhorn und einige der grössten Gletscher, sie spielt auch eine wichtige Rolle im Anbau von Alpenkräutern. Einer der Bewahrer dieser reichen Kräutertradition ist Guillaume Mayor. Als Landwirt in dritter Generation verbindet er überliefertes Wissen mit innovativen Ideen.
Die Strasse zu Guillaume Mayors Hof in Icogne windet sich einen abschüssigen Berghang hinauf. Kurve um Kurve wird sie schmaler. Die Felder des Kräuterbauers liegen auf 950 Metern über Meer auf kleinen, natürlichen Terrassen, umgeben von steilen Abhängen. „Was heute fruchtbarer Boden ist, musste zuerst von grossen und kleinen Steinen gesäubert werden, damit hochwertige Kräuter wachsen können“, erklärt Guillaume. „Jeder Quadratmeter Land ist für uns kostbar.“ Der Gartenbau-Fachmann und Landschaftsgärtner entdeckte schon früh seine Leidenschaft für Kräuter. „Ich bin zwischen Kräuterfeldern aufgewachsen. Deshalb war es für mich ganz selbstverständlich, die Familientradition weiterzuführen.“
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Gewachsene Partnerschaft
Die Familientradition begann 1997, als Guillaumes Vater einen kleinen Teil des Hofes auf Kräuteranbau umstellte. Zu jener Zeit war Ricola auf der Suche nach neuen Kräuterproduzenten – eine Chance, von der beide Seiten profitierten. „Seither hat sich unsere Zusammenarbeit erfolgreich entwickelt“, erklärt Guillaume. „Ricola ist ein Partner, der unsere Anliegen ernst nimmt. Wir pflegen einen offenen Austausch und spüren ein echtes Interesse an unserer Arbeit.“ Heute baut Guillaume auf sieben Hektaren Salbei, Spitzwegerich, Zitronenmelisse sowie zwei Minzsorten für Ricola an.
Wo die Gletscherminze wächst
Vor Tausenden von Jahren war das Wallis von mächtigen Gletschern bedeckt. Als sich das Eis zurückzog, hinterliess es Moränenlandschaften mit durchlässigen, mineralreichen Böden. Dies sind ideale Voraussetzungen für den Anbau von Kräutern –insbesondere der „Gletscherminze“, wie die auf Gletschermoränen wachsende Minze genannt wird. Eiszeitliche Ablagerungen finden sich häufig an offenen Hängen, wo die Pflanzen von viel Sonnenschein und kühlen Bergnächten profitieren. „Hier in Icogne herrschen perfekte Bedingungen für den Anbau von Gletscherminze“, erläutert Guillaume. Die robuste Pflanze, die wegen ihres intensiven Mentholaromas geschätzt wird, ist sein Lieblingskraut. „Nur zwei Landwirte im Wallis – und damit in der ganzen Schweiz – verfügen über die idealen Bedingungen für den Anbau von Gletscherminze. Für mich ist es ein Privileg, diese aussergewöhnliche Pflanze anzubauen“, fügt er lächelnd hinzu.
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Wohltuende Kräuter für den Alltag
Guillaume ist nicht nur Kräuterbauer, sondern auch Unternehmer: „Seit Jahrhunderten bringen Kräuter die natürliche Kraft der Berge auf ganz unterschiedliche Weise in den Alltag der Menschen. Als Unternehmer wollte ich einige dieser Möglichkeiten weiterentwickeln.“ Mit diesem Ziel gründete Guillaume 2015 die Destillerie L’Essencier. Das Unternehmen baut alpine Heil- und Aromapflanzen an und verarbeitet sie zu ätherischen Ölen und anderen pflanzlichen Produkten. Mithilfe der traditionellen Wasserdampfdestillation entstand so die erste Destillerie im Wallis, die sich auf Heil- und Aromapflanzen spezialisiert.

Fest in Familienhand
Trotz der Expansion in neue Geschäftsfelder wird Guillaumes Betrieb bis heute als Familienbetrieb geführt. „Meine Frau und ich führen den Hof gemeinsam. Während der Erntezeit arbeiten jedoch bis zu elf Personen auf dem Betrieb“, erläutert der Vater von zwei Kindern. Sein Betrieb ist der Landwirtschaftskooperative Valplantes angeschlossen. Valplantes stellt Infrastruktur wie etwa Trocknungsanlagen sowie Dienstleistungen zur Verfügung. So können sich die Kräuterbauern stärker auf die Arbeit auf den Feldern konzentrieren. „Dieses Genossenschaftsmodell gibt uns als Familienbetrieb Freiheit wie auch Sicherheit. Ich baue die Kräuter für Ricola an, während Valplantes die Trocknung und den Transport übernimmt.“

Qualität, in der Natur verwurzelt
Partnerschaften und Leidenschaft: Für den Erfolg im Alpenkräuteranbau ist heute beides unabdingbar. Guillaume arbeitet deshalb auch mit Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung, zusammen. Gemeinsam setzt man auf datengestützte Anbaumethoden, die natürliche Ökosysteme fördern. So wird beispielsweise die Bestäubung durch Bienen unterstützt, die ein professioneller Imker auf den Hof bringt. „Unser Denken ist traditionsbewusst, und die Natur steht dabei an erster Stelle. Es geht um weit mehr als die Einhaltung der Bio-Suisse-Standards. Der Klimawandel zwingt uns, unsere Anbaumethoden im Einklang mit der Natur weiterzuentwickeln. Hier oben sind Boden und Wasser unsere wertvollsten Ressourcen – und beide sind knapp. Für sie Sorge zu tragen, gehört auch zum Vermächtnis, das bei uns von Generation zu Generation weitergegeben wird.“
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