Lagerhaus

Baselstrasse 91, Hof, Laufen, erstellt 1986–1987

Die Entwicklung des Unternehmens machte in den 80er Jahren den Bau eines mechanisierten Lagers für Kräuter und Kräuterzucker notwendig. Als Ort wurde der alte Steinbruch bestimmt, wo 1945–1967 in einer provisorischen Halle produziert wurde.

Das neue Lager ist nahe an die gegen 10 m hohe Wand dieses Steinbruchs gesetzt, sodass zwischen ihm und den Bauten aus den 60er- und 70er-Jahren an der Baselstrasse ein Hof entsteht. Der Hof wurde 1989–1991 bei einer Aufstockung dieser Bauten teilweise mit einem weit ausladenden Dach aus Glas gedeckt. Aus technischen Gründen blieb diese Aufstockung, eine selbständige Konstruktion aus kräftigen I-Trägern aus Stahl, allerdings ein Fragment.

Die Grösse des Baues war durch die mechanische Anlage gegeben; sie besteht aus einer stählernen Konstruktion, die 50 m lang, 26 m breit und 17 m hoch ist. Die Architekten hatten die Aufgabe, dafür eine Hülle zu entwerfen, die trotz der einschränkenden Bedingungen mehr ist als ein Container.

Das Lager hat die Form eines grossen einfachen Körpers, der die grosse Fläche des asphaltierten Hofes begrenzt. Am östlichen Ende stösst eine „Schachtel“ aus Blech gegen diesen Körper. Sie weist drei Tore auf und enthält die Rampe, von der die Lastwagen beladen werden. Die Hülle des eigentlichen Lagers hingegen besteht aus Schichten von grauen Platten, welche die Wirkung des Körpers bestimmen: Wenn man sich dem Lager nähert, löst sich diese Hülle nach und nach in die Teile auf, aus denen sie montiert ist. Es wird klar, dass ihr Machen und Montieren das Thema des Entwerfens war.

Der Körper scheint auf Rippen zu liegen, die unter der untersten dieser Schichten hervorschauen. Sie sind an die Platte angesetzt, die unmittelbar auf den felsigen Boden gegossen ist und das Fundament des Lagers bildet. Auf diesen Rippen stehen die verleimten Pfosten aus Holz, welche die Hülle tragen. Daran sind Konsolen geschraubt, auf welchen die Platten aus Duripanel liegen bzw. wie angelehnt stehen. Die dienen dem Schutz der Wärmedämmung. Weger der offenen Struktur, die sie bilden, ist diese Wärmedämmung zwischen den Platten an ihrer gelben Farbe erkennbar. Eine Ausnahme macht nur die Wetterseite, wo eine silberne Folie einen zusätzlichen Schutz gegen die Feuchtigkeit bietet. Die Teile der Hülle werden in einer Weise vorgezeigt, welche die Konstruktion auch für jemanden verständlich macht, der nicht vom Fach ist. Damit nehmen Herzog & de Meuron in diesem Lager ein Thema vorweg, das in der 90er-Jahren viele Architekten beschäftigen wird, auch sie selber. Es besteht darin, angesichts von neuen Arten, eine Fassade zu bauen, eine neue «Wahrheit der Konstruktion» zu finden. Im Fall des Lagers in Laufen wird diese Wahrheit vor allem an den Kanten in einem Bild erkennbar, das etwas von Bricolage hat.

Die Architekten haben verschieden Gründe genannt für die Form der Hülle, sie haben alle mit dem Stapeln von Material zu tun: Bretter, die zum Trocknen aufgeschichtet sind, oder Platten aus Zement oder auch die Regale der neuen Halle. In solchen Bildern, welche sie beim Entwerfen aufgerufen haben, kommen in komplexer Weise die Funktion und die Konstruktion des Lagers zur Deckung.

Allerdings begnügen sich Herzog & de Meuron nicht damit, diese Konstruktion zu erklären. Der einfache Körper verunsichert unsere Wahrnehmung durch den Umstand, dass die Schichten nicht alle gleich hoch sind. Die Hülle ist in drei Zonen zu fünf Schichten gegliedert, wobei die Höhe der stehenden Platten 0,42 m, 0,84 m, und 1,26 m beträgt. Dieses gegen oben anwachsende Mass aber wirkt der gewohnten Verkürzung entgegen. So ist die Höhe des Lagers schwer zu schätzen. Sie hat aber auch etwas Bedrohliches wie ein hoher Stapel von Brettern, der sich uns entgegenneigt.

Oben schliesslich scheint sich die Hülle zu verflüchtigen. Steile Streben tragen einen schmalen Kranz, der über den Körper herausragt. Die Wärmedämmung wird hier von Blechen geschützt. Da sie das Licht reflektieren, tragen sie zu dieser Verflüchtigung bei. Sie tragen aber auch bei zu einer Vermischung von Bildern, die sich im Grunde gegenseitig ausschliessen: der Renaissancepalast mit seinen abschliessenden Gesimse und der Gaskessel mit seinem in die Luft ragenden Gerüst beispielsweise. Aus einer solchen, fast surrealistischen Verbindung von Erinnerungen aber gewinnt dieser Entwurf seine starke, poetische Wirkung.

Text: Martin Steinmann